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STÄDTEREISEN / NR. 0544 |
Martin Luther, die heilige Elisabeth von Thüringen, Minnesänger Walther von der Vogelweide - glanzvolle Namen, die mit der Wartburg eng verknüpft sind. Vor allem aber wegen Martin Luther, der hier unter dem Pseudonym "Junker Jörg" 1521/1522 das Neue Testament übersetzte, gilt die Wartburg heute als eine der bedeutendsten Pilgerstätten Deutschlands. Seit 1999 steht sie als Weltkulturerbe auf der Liste der UNESCO.
Der Sage nach wurde die Wartburg um 1067 von Ludwig dem Springer gegründet. Anfangs war sie ein reiner Wehrbau, schnell jedoch wurde sie auch Ort für Regierungs- und Repräsentationszwecke der Landgrafen von Thüringen. Besonders unter Hermann I. erblühte die Wartburg im 12. und 13. Jahrhundert zu einem Hof der Musen, in dem die schönen Künste gepflegt wurden. Hier erklangen Lieder von Walther von der Vogelweide und Dichtungen von Wolfram von Eschenbach. Weltruhm erlangte ein sagenhafter Sängerstreit auf der Burg zwischen Minnesängern Anfang des 13. Jahrhunderts, wie dieser in Richard Wagners Oper "Tannhäuser" Thema ist.
Ähnlich bekannt ist die heilige Elisabeth von Thüringen, die auf der Wartburg von 1221 bis 1227 lebte und wirkte. Die Landgräfin, die 1235 heilig gesprochen wurde, nahm sich mit aller Kraft der Armen und Kranken an.
Die Lutherstube, der Wohn- und Arbeitsraum des Reformators 1521 bis 1522, ist seit Jahrhunderten Ziel etlicher Pilger. Hier entstand die Lutherbibel und damit die einheitliche deutsche Schriftsprache, weil Luther das Neue Testament vom lateinischen Urtext ins Deutsche übersetzte. An die karge Stube angeschlossen ist ein kleines Museum mit einer Sammlung reformatorischer Flugschriften, einer von Luther handschriftlich kommentierten Bibel und vielen Gegenständen aus seinem Privatbesitz.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die ruinös gewordene Wartburg unter dem Weimarer Großherzog Carl Alexander umfassend erneuert und dekorativ ausgestaltet. Es sollte ein Denkmal von nationaler Bedeutung entstehen. Die mittelalterliche Bausubstanz wurde restauriert und durch historisierende Neubauten ergänzt. Repräsentatives Beispiel dafür ist der imposant ausgestaltete Palastfestsaal, den Märchenkönig Ludwig II. in seinem Schloss Neuschwanstein nachbauen ließ.
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