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MEER, SEEN / NR. 0611 |
Die folgenden Vorgänge sind höchst mysteriös und geben bis heute Anlass zu endlosen Spekulationen: Am 2. Tage nach seiner Ankunft in Berg - es ist Pfingstmontag - will Ludwig II. am Ufer des Sees spazieren gehen. Es ist ein Leichtes für ihn, auch Dr. von Gudden um den Finger zu wickeln und mit ihm diesen Spaziergang zu unternehmen. Auf begleitendes Personal wird verzichtet, denn der Arzt hat den Eindruck, den König bereits fest im Griff zu haben. Doch von diesem Spaziergang kehren beide trotz mittlerweile starken Regens nicht mehr zurück.

Der Park wird daraufhin spät nachts fieberhaft durchsucht. Man findet nur den völlig durchnässten Hut des Königs und, einige Schritte entfernt davon, Dr. von Guddens Regenschirm. Das Suchgebiet wird erweitert. Mit einem Boot durchkämmt man das Ufergebiet. Schon bald wird man fündig. Auf dem Grund des Sees liegt der leblose Körper des Monarchen. Nicht weit davon findet sich auch der Leichnam des Arztes. An der Fundstelle ist der See gerade mal einen Meter tief. Die Taschenuhr des Königs ist durch das Eindringen des Wassers um 18.54 Uhr stehengeblieben.
Es gibt 3 Todes-Theorien: Die offizielle Version lautet folgendermaßen: Ludwig unternahm den Spaziergang, um im Starnberger See Selbstmord zu begehen. Dr. von Gudden wollte ihn daran hindern. Es kam zum Handgemenge, wobei Ludwig den 62-jährigen Arzt unter Wasser drückte. Anschließend starb der König nicht durch Ertrinken, sondern durch einen Herzschlag im 12 Grad kalten Wasser. Darüber hinaus mangelt es nicht an Theorien über einen Mord an Ludwig: Bismarck musste schon als Auftraggeber herhalten, auch der bayerische Ministerpräsident von Lutz soll dahintergesteckt haben. Für manche hat sogar Dr. von Gudden selbst Hand angelegt.
Königstreue behaupten mit steter Regelmäßigkeit, dass ihr "Kini" hinterrücks erschossen wurde. "Beweisstück" dafür soll eine Windbüchse sein. Oder die Fluchtvariante: Ludwig wollte schwimmend fliehen, ertrank aber. Dabei galt er als guter Schwimmer...
"König Ludwig ist nicht mehr!" Diese Meldung verbreitet sich im Lande wie ein Lauffeuer: "Sie haben ihn im See gefunden!" Die Aufregung in der Bevölkerung ist groß: War es Mord? War es Selbstmord? Bis heute wird darüber wild spekuliert.
Bei der pathologischen Untersuchung des toten Königs in der Münchener Residenz war auch der Leibarzt des Königs Dr. Schleiß anwesend, der nicht von einer Krankheit des Königs überzeugt war. Nach der Sektion wurde sofort die Einbalsamierung vorgenommen. Ludwig wurde am 19. Juni 1886 nach einem Leichenzug durch München in der Gruft der Michaelskirche (Neuhauserstraße) beigesetzt. Sein Herz wurde am 16. August in einer Urne in die Altöttinger Gnadenkapelle verbracht.
Das tragische Ende des Märchenkönigs Ludwig II. wird wohl für immer ein Mysterium bleiben. Ludwig II. hatte einmal selbst vorausgesagt: "Ein ewiges Rätsel will ich bleiben mir und anderen."
(Quellen: www.koenig-ludwig.org, www.wikipedia.de, www.br-online.de)
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