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BERGE, WÄLDER / NR. 0063 |
Im Zentrum Mitteleuropas aber liegt die goldene Stadt Prag. Als die "Mutter der Städte", "das hunderttürmige Prag", "ein Diadem am Hals Europas" wurde die Moldau-Metropole bezeichnet, und Franz Kafka sah in ihr ein "Mütterchen mit Krallen", das ihn nicht mehr losließ. Die Prager selbst drücken sich prosaischer aus, wenn sie lakonisch reimen: "V Praze je blaze - in Prag fühlt man sich wohl". Das belegen jährlich 20 Mio. Touristen, die das schönste Panorama Europas vom Hradschin aus bewundern. Wie das ewige Rom umgeben auch die tschechische Hauptstadt sieben Hügel, die sich um ein historisches Ensemble mit architektonischen Glanzleistungen vom Mittelalter bis zur Gegenwart gruppieren. Mitten durch diese städtische Schönheit fließt die von Bedrich Smetana symphonisch verewigte Moldau, deren acht Inseln die Liebe der Tschechen zum grenzenlosen Meer versinnbildlichen.
In Südböhmen gibt es außer unberührten Wäldern, die hin und wieder von einer Seenlandschaft unterbrochen werden, dazwischen gestreute Renaissancestädtchen mit mediterranen Marktplatzarkaden, großzügig über die grünen Hügel verteilte Burgen, auch urbanes Leben in der südböhmischen Universitätsstadt Ceské Budejovice. Zwischen dem Adlergebirge an der nordöstlichen Landesgrenze und der sanften Hügellandschaft der Böhmisch-Mährischen Höhe breitet sich das ehemalige Jagdrevier des ostböhmischen Adelsgeschlechts derer von Pernstein aus. Sie hinterließen der Region zahlreiche Jagdschlösser sowie Pardubice, die mustergültige Idealanlage einer Renaissancestadt.
Nordmährens Facetten reichen vom hektischen Großstadttreiben im Städtekonglomerat Ostrava bis zur ländlichen Einsamkeit des Kuhländchens. Kilometerlange Alleen führen in den hintersten Zipfel Nordmährens, zum Altvatergebirge. Malerische Kleinstädte mit fast südländischem Charme verführen zu ausgedehnten Weinproben in den südmährischen Winzerhochburgen um Mikulov und Znojmo. Zu den charakteristischen Landschaften Südmährens gehören die
30 Kilometer breite, fruchtbare Hanna-Ebene südlich von Olmütz und das südmährische Hügelland zwischen Znojmo und Brünn, dessen sonniges Klima und fette Böden die Weinkultur dieser Gegend zur Blüte brachten.
In den Tausenden von Schlössern und Burgen Tschechiens, in den historischen Städten und den böhmischen Dörfern wurde von Premysliden-Königen, Habsburger Kaisern, tschechoslowakischen und tschechischen Staatsmännern europäische Politik maßgeblich mitgestaltet. Wurden von tschechischen Malern, österreichischen Bildhauern und italienischen Architekten böhmische Varianten für europäische Kunstentwicklungen gefunden und ein Epoche machender Lebensstil geprägt: der des Bohemiens.
Die jahrhundertelange Abgrenzung der Böhmen tschechischer Zunge von den einflussreichen Deutschböhmen führte zum Klischee des gewieften, lebenslustigen Tschechen, der die steifen Deutschen und Österreicher an der Nase herumführt, sie umarmt, wenn er sie schon nicht besiegen kann - wie es der brave Soldat Švejk listig vorgemacht hatte. Wie jedes Klischee, trifft auch dieses natürlich nur einen kleinen Teil der Wirklichkeit. In nächtlichen Wortgefechten, wenn bereits viel Bier die Kehle hinuntergeflossen ist, leben Rudimente dieser Lebensphilosophie noch einmal auf: in der Fabulierlust der Zecher, die sich selbst als schwejksche Helden des hoffnungslosen, aber genussvollen Widerstands gegen jegliche Autorität begreifen. Selbst in ihrem politischen Widerstand beweisen die Tschechen ihre Liebe zur Metapher, zum Phantastischen; so, als der traditionelle Königsritt zu einer Demonstration gegen die Nazis geriet. Ähnliches wiederholte sich in den kreativen Formen der Sabotage 1968 nach der Besetzung der CSSR durch die Warschauer-Pakt-Staaten und gipfelte 1989 in der samtenen Revolution, deren Schaltzentrale das surrealste Theater Prags, die »Laterna Magica«, war. Und ist es nicht auch ein modernes Märchen, dass der prominenteste Häftling des kommunistischen Regimes, der Dichter Václav Havel, zum Präsidenten der zweiten demokratischen Republik gewählt wurde?
(Quelle: www.marcopolo.de)
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