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MEER, SEEN, WELLNESS / NR. 0350 |
Im Rheinsberger Schloss, direkt am Ostufer des Grieniericksees, Parkplätze am Gelände
| Museum: | Di. - So. 9.30 - 12.30 und 13.00 - 17.00 |
| Eintritt: | Erwachsene 3,- Euro, Ermäßigte 2,- Euro |

Die Literatur bleibt in der Regel - trotz "Eventkultur" und quotenmächtiger Talkshows - ein stiller, einvernehmlicher Vorgang zwischen Text und Leser. Eine Ausstellung dagegen soll und will ein anderes Erlebnis bieten: eine möglichst intensive Begegnung mit dem geistigen Kosmos des Autors, seinen Prägungen, Wirkungen, Widersprüchen und Leistungen. Anders als beim stillen Lesen wird eine Ausstellung ja nicht in erster Linie mit den Augen und dem Verstand im Sitzen, sondern mit den Sinnen beim Durchschreiten wahrgenommen. Ziel war es also, eine Art "begehbare geistige Biografie" zu schaffen, in der sich der Besucher selbständig, frei und lustvoll orientieren kann.
Im Eingangsbereich wird der Besucher zunächst optisch eingestimmt: eine großflächige Abbildung aus der "Rheinsberg"-Erzählung und eine minimale biografische Information sagen ihm, in welchem Jahrhundert und in welchem geistigen Raum er sich befindet. Wendet er sich in den Ausstellungsraum, wird er - wiederum verbunden mit einem Großfoto - mit der biografischen Gliederung und mit dem farbigen Leitsystem vertraut gemacht.
In den Vitrinen sind Tucholskys Bücher (in der Regel in Erstausgaben), Dokumente, Programmhefte, Zeitschriften, faksimilierte Autographen, Fotos und einige persönliche Gegenstände, wie Schreibmappen, Schreibmaschine, Karaffen, Bleistifte u.a., zu sehen. Die gegenständlichen Exponate (z.B. ein Grammophon mit Zinkschallplatte) rufen nicht nur Zeitkolorit auf, sondern sorgen als optisch interessante "Eye-Catcher" für Ruhepunkte im Fluss der Informationen.
Dennoch: Die "drei B's" (Bücher, Bilder, Briefe) - sie bilden, wie in den allermeisten Literatur-Ausstellungen, auch hier das Gros der gezeigten Exponate. "Flachware" heißt das böse Wort dafür bei den Museumsfachleuten; sie sei das Unattraktivste überhaupt, das ein Museum bieten könne. Zwar zeigt eine Literaturausstellung in der Regel nicht "die Literatur", sondern den Dichter - doch wie soll man einen Autor präsentieren ohne seine Arbeitsmaterialien und Produkte? Eine gute Auswahl und Selbstbeschränkung, nach dem Motto: Im Zweifelsfall ist weniger immer mehr, waren notwendig. Der visuellen Wirkung wurde der Vorrang vor der Vollständigkeit gewährt.
Die Ausstellung richtet sich sowohl an Besucher mit Vorkenntnissen, Tucholsky-Leser und -Verehrer, als auch an interessierte Laien und Zufallsbesucher. Auch Schulklassen und Reisegruppen sollen angesprochen werden - mit Hörbeispielen, mit den Verfilmungen seiner Werke und mit speziellen Führungen und Vorträgen werden Einführungen in Leben und Werk geboten. Ein museumspädagogisches Konzept, als ein alters- und gruppenspezifisches Angebot, soll ab nächstes Jahr das Angebot des Museums vervollständigen. Die Ausstellung stellt einen Dichter vor, der sich in die Konflikte seiner Zeit einmischte und der bereits 1926 für die Idee der "Vereinigten Staaten von Europa" eintrat. Tucholskys Haltung und seine Formulierungskunst werden noch heute von vielen Menschen als beispielhaft, mitunter auch als Herausforderung empfunden.
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