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STÄDTEREISEN / NR. 0127 |
Wer viel reist, der weiß ein nicht allzu großes Hotel, das Tradition ausstrahlt, zu schätzen. Erst recht, wenn dieses sich mitten in einer Altstadt befindet, die seit über 700 Jahren zum geschichtlichen Kern einer Stadt am berühmten Vierwaldstättersee zu rechnen ist.
Das Haus am Weinmarkt war von 1398 bis 1852 Sitz der Gerberzunft. Das Zunfthaus erhielt 1835/36 einen Ballsaal im obersten Geschoss und eine klassizistische Fassadengestaltung mit Pilastern. Nach Auflösung der "Gesellschaft zu Gerwern" wurde hier 1854 von privater Hand das Hotel Krone eröffnet. Es wurde wenig später aufgestockt und erhielt bis 1907 kleinere Umbauten und Veränderungen. 1910 wurde die Front zum Weinmarkt abermals umgestaltet - zu einer neubarocken Palastfassade mit Giebelform und skulptierten Giebelfeld.
1925 erwarb der Schweiz Gemeinnützige Frauenverein (Sektion Stadt Luzern) das Hotel. Dieser Verein gründete 1934 die Stiftung "Alkoholfreie Betriebe". Diese Stiftung wurde nun Eigentümerin der Hotels Krone und Waldstätterhof mit dem Auftrag, diese Betriebe "alkoholfrei und trinkgeldfrei" zu führen.
1963 wurde im Rahmen eines Totalumbaus das Innere des Hauses den Erfordernissen der Zeit angepasst. Dabei erfuhr die Hauptfassade keine Änderung mit Ausnahme der Entfernung eines Balkons im ersten Obergeschoss. Weitere Umbauten sind in den Jahren 1981 und 1993/94 zu verzeichnen.
Heute präsentiert sich das Altstadthotel in vollständig renoviertem Zustand. Dies trifft nicht zuletzt auch auf die Hauptfassade zu, das Prunkstück des Hauses. Die reiche neubarocke Gestaltung des Gebäudes verhilft diesem zu einem besonderen Stellenwert am Weinmarkt, auch wenn von den mittelalterlichen Bausubstanzen lediglich noch die Brandmauern erhalten sind.
Mittelalter! - Dieses Stichwort lässt unsere Schritte nach dem Verlassen des Hotels unwillkürlich zum Weinmarkt-Brunnen lenken, der nicht nur kühles Nass in den Trog speit, sondern zugleich eine Art Denkmal für die trutzige Wehrhaftigkeit der Eidgenossen des 13. Jahrhunderts darstellt. Dieser Brunnen ist in der Tat einer der bemerkenswertesten Brunnen Luzerns, ja der ganzen Schweiz.
Er stammt aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts und wurde von Steinmetz Konrad Lux aus Basel geschaffen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwiesen sich die Figuren und Ornamente des Brunnens als stark verwittert, was 400 Jahre nach der Erstellung nicht überrascht. 1902 beschloss der Stadtrat, den Brunnenstock kopieren zu lassen und das Original in Hof des Ritter'schen Palastes (Regierungsgebäude) zu verlegen. Seit 1986 kann dieses Original im Historischen Museum an der Pfistergasse besichtigt werden.
Bereits 1957 zeigt die Sandsteinsäule Zerfallserscheinungen. Sie musste erneut mit geeigneterem material kopiert werden. Dabei wurde auch der Brunnentrog erneuert. Sowohl der originale wie der kopierte Weinmarktbrunnen stehen seit 1906 unter Bundesschutz. Neben dem Basler Fischmarktbrunnen handelt es sich hier um die einzige spätgotische Brunnensäule, die in der Schweiz erhalten geblieben ist.
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