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BERGE, WÄLDER / NR. 0136 |
Ein Jammern in der Ferne, Dielen knarren, Ketten rasseln, ein eisiger Luftzug weht vorbei, Schatten tanzen im Mondschein. Geisterstunde im Schloss. Ein Schloss ohne Geist ist wie ein Aquarium ohne Fische. Schlossgeister sind ruhelos, nachts unterwegs und vor allem harmlos. Warum jemand zum Geist wird, ist unklar.
In Krumbach hatten bisher sechs Menschen unabhängig voneinander dieselbe Erscheinung: Ihnen sei eine "altertümlich gekleidete Frauenperson" erschienen. Angaben zum Alter konnten sie nicht machen, da keiner dieser Gäste das Gesicht gesehen hatte. Das besondere auf Schloss Krumbach: Die Erscheinung hält sich nicht an übliche Geisterstunden, sondern trat zu ganz verschiedenen Tages- und Abendzeiten auf.
Ganz ohne Geisterjäger kam man der Sache auf die Spur: Im Zuge des Umbaues wurde der ehemalige Gefängnishof überdeckt, um ein Weinkeller mit Vinothek einzurichten. Die noch original vorhandenen Gefängniszellen wurden zu Weinlagern umfunktioniert. Zur Jahreswende 1995/96 meldete der Restaurantleiter, dass alle in der ersten Zelle gelagerten Weine verdorben seien. Diese außergewöhnlichen Ereignisse führten zu Nachforschungen. Dabei stellte sich heraus, dass in der ersten Gefängniszelle ein angeblich unschuldiger Landsknecht eingekerkert war. Es dürfte sich hier wahrscheinlich um einen Adeligen gehandelt haben, da die noch sichtbaren Wandzeichnungen auf eine künstlerische Ausbildung hindeuten.
Wie aus dem Protokoll der Landgerichtssitzung vom 18. Oktober 1557 hervorgeht, wurde diese "Person" von seiner "Versprochenen" des Nachts besucht. Dies wollte man nicht weiter dulden und überstellte den Beschuldigten nachts heimlich in das Gefängnis der Burg Raabs an der Thaya, die zu dieser Zeit auch im Besitz der Puchheimer war.
Für die Richter war das Problem aus der Welt. Nicht so für die Braut des Gefangenen. Sie ließ man im Unklaren, was geschehen war. Wie aus einem Bericht des damaligen Pfarrers von Krumbach hervorgeht, stürzte sich die "Verlobte" des Beschuldigten aus Kummer über die Felsen der Kapelle in den Burggraben.
Die Leiche der Frau wurde allerdings nie gefunden, wie eine Krumbacher Bürgerin im Jahre 1558 feststellte. Ob es sich um einen tragischen Unfall oder um Selbstmord handelte, ist nicht belegt. Im Hotel wurde vorsorglich die Weinstellagen entfernt und die Originalliege - ein einfaches Brett - wieder montiert.

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