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STÄDTEREISEN / NR. 0038 |
Bereits im Jahre 1767 stand an der gleichen Stelle des späteren Hotels ein Gasthaus. Kurfürst Wilhelm II., der seinerzeit Schloss Wilhelmshöhe bewohnte, ließ den Gasthof mit Fremdenzimmern aber 1827 abreißen. Der Neubau lag in der gleichen Front wie der nebenan befindliche Marstall. 1829 war das neue Hotel vollendet.
Nach der verlorenen Schlacht bei Sedan wurde Napoleon III. als Gefangener nach Schloss Wilhelmshöhe gebracht. Der Großteil seiner Begleitung und Dienerschaft wurde im Hotel Schombardt untergebracht. Ebenfalls befand sich das Pressebüro für alle betreffenden Fragen in Bezug auf Napoleon III. im Hotel.
Bei einer grundlegenden Renovierung im Jahre 1899 bekam das Hotel mit Adolf Stecker, Hoflieferant, einen neuen Pächter. Als bedeutender Weinkenner, besonders der Moselweine, hatten die Kasseläner schnell einen Spitznamen für ihn gefunden. Mit dem Namen "Mosella" wusste vor Ort jedermann, wer gemeint war. Rund 500.000 Flaschen Moselwein lagerten in den Kellern des Hotels.
Zum zweiten Mal machte das Hotel politische Geschichte. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg organisierte Hindenburg vom Schlosshotel Wilhelmshöhe aus den Rückzug und die Auflösung der deutschen Truppen. Eine Bronzetafel am Hotel erinnerte an dieses Ereignis.
Die Kunstakademie Kassel veranstaltete im Hotel ihre Fastnachtsredouten "Für Rosalinde" und "Für Helena" in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Und in den Sälen des Ostflügels vergnügten sich die Kasseläner bei ihren Familienfesten ausgiebig.
Durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus schwer beschädigt und brannte völlig aus. Beim Neubau nach dem Krieg wurde die Front des Hauses ein ganzes Stück zurückgenommen. Die Neueröffnung des vom Architekten Paul Bode entworfenen Hauses fand am 2. Mai 1955 statt.
Zum dritten Mal schrieb das Haus politische Geschichte. Am 21. Mai 1970 fanden hier die innerdeutschen Gespräche zwischen Bundeskanzler Willy Brandt und dem Ministerpräsidenten der DDR, Willi Stoph, statt (Foto unten). Ein Fernsehbild ging damals um die Welt und hätte fast dazu geführt, dass die Gespräche vorzeitig abgebrochen worden wären. Junge Leute hatten die Fahne der DDR vom Mast geholt.
Am 20. August 1991 wurde dem Schlosshotel eine Spielbank angegliedert. Volker A. Deigendesch, der heutige Inhaber, übernahm das historische Haus im September 2003 und möchte nach den wechselvollen Jahren nun Kontinuität auf hohem Niveau: "Das Schlosshotel Wilhelmshöhe soll wieder eindeutig das sein, was es durch zwei Jahrhunderte praktisch immer war: nämlich die Nummer eins in Kassel."
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