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MUSICALS / NR. 0766 |
Deutschland, 1980: Soziale Proteste für Frieden und Freiheit, Generationskonflikte und gesellschaftliche Rollenwechsel prägen die wildbewegten 80er Jahre. Friedenstauben zieren Buttons, Petting ersetzt Pershing, Hafenstraße und Startbahn West sind autonom und Frauen machen Power. Die Mode präsentiert sich schillernd: Neonleggings sind feminin, Netzhemden männlich, die Lederkrawatte passt zur Jeansjacke, knallige Stulpen konkurrieren mit überdimensionalen Ohrringen. Alles ist erlaubt, Konventionen fallen... die Geburtsstunde der Neuen Deutschen Welle schlägt!
In den Jahren zuvor nährte sich die deutsche Musikindustrie von englischen und amerikanischen Hits - deutsche Produktionen klangen nach Schlager oder wurden von Liedermachern intoniert. In das altbekannte Fahrwasser kommt Anfang der 80er Jahre eine mitreißende Strömung: Die Neue Deutsche Welle schwappt über die Nation und Popmusik in deutscher Sprache macht erstmals Furore. Plötzlich ist alles möglich: von drei eingängigen Akkorden bis hin zu kraftvollen Klangwelten.
In atemberaubendem Tempo wird die "NDW" zur populärsten Musik einer ganzen Generation: Aus den Ursprüngen der Neuen Deutschen Welle entsteht schnell ein eigenständiger Sound. Immer mehr Bands nehmen in Eigenregie Platten auf und Kassetten werden die Tonträger für den Eigenmix. Bereits Ende 1981 ist die NDW zu einer Jugendbewegung geworden. 1982 stürmen Bands und Interpreten wie Extrabreit (oben rechts), Hubert Kah, Trio (unten links), Frl. Menke, Markus (unten rechts) und Nena (oben links) mit ihren Hits in die Top-Ten. Ab 1983 wird "Formel Eins" zum musikalischen Schauplatz von Trio, Spliff, Ideal, UKW oder der Spider Murphy Gang. Wer erinnert sich nicht an den rosafarbenen Straßenkreuzer - Markenzeichen der beliebtesten Musiksendung der 80er Jahre - in dem Moderator Peter Illmann 68 Mal die Charts präsentiert? Bis 1990 folgten über 200 Sendungen und drei weitere Moderatoren.
In Nordrhein-Westfalen ist "Mal Sondocks Hitparade" der Ursprung aller Kassetten für den Walkman. Vor allem Hamburg, West-Berlin, Hannover, Düsseldorf und das Ruhrgebiet sind Keimzellen und Zentren der NDW. Protagonisten wie Extrabreit, Geier Sturzflug oder Nena sind hier zu Hause. Plattenlabels produzieren in NRW, und große Konzerthallen tief im Westen werden die Bühnen für den Siegeszug neuer deutscher Musik. 1982 ist die Dortmunder Westfalenhalle Schauplatz eines fast vierstündigen NDW-Specials, das Deutschland unter dem Titel "Rockpop in Concert" an den Bildschirmen elektrisiert.

Neuer Lifestyle infiziert die Massen. Atari und Commodore 64 teilen ihre User schnell in zwei Lager, "Dallas" und "Denver Clan" werden zu Quotenhits, Videoclips halten Einzug in das Fernsehen. Derrick ermittelt erstmals vor einem Fernsehpublikum und Millionen sind dabei, als Boris Becker mit 17 Jahren in Wimbledon gewinnt. Rollschuhe kommen in Mode und der Zauberwürfel wird zu einem Symbol der 80er Jahre. In der Musik bringt die Lichtorgel Farbe ins Spiel und der Synthesizer macht neue Töne.
"Laut, schrill und irre fetzig" titeln Bravo und Co. und drücken damit Lebensgefühl und musikalischen Sound gleichermaßen aus. Die Neue Deutsche Welle bringt tanzbaren Spaß und schöpferischen Aufbruch. Ihre Ausstrahlungskraft endet nicht mit ihrem Abklingen Mitte der 80er Jahre. Die NDW führt dazu, dass sich im Anschluss erstmals auch deutsche Musiker etablieren können. Sie ist Auslöser für eine originär deutsche Musik jenseits des Schlagers. Und sie lebt bis heute weiter: als Wegbereiter deutscher Popmusik, in Comebacks und Weiterentwicklungen - in Erinnerungen an bunt schillernde Jahre...
Quelle: Stage Entertainment
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