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MEER, SEEN, FAMILIENURLAUB / NR. 0109 |
Landschaftlich teilt sich Istrien in drei Gebiete auf, die von den unterschiedlichen geologischen Gegebenheiten bestimmt werden. Im Bereich des Berggürtels im Norden und Osten erhebt sich das weiße Istrien mit hellem, felsigem Kalkgestein. Obwohl hier die meisten Niederschläge fallen, herrscht ständig Mangel an Wasser, denn das versickert zum größten Teil augenblicklich im porösen Karst. Die Flusstäler werden landwirtschaftlich genutzt. Durch das dünn besiedelte Gebiet der Hochflächen, bewachsen mit Steppengräsern, Disteln und Föhren, ziehen die Schäfer mit ihren genügsamen Tieren.
Die Mitte Istriens birgt ein fruchtbares, wasserreiches Hügelland, das graue Istrien. Den Namen hat es von seinen flyschhaltigen, wasserundurchlässigen Böden. Zwischen Äckern und Rebhängen dehnen sich dicht belaubte Wälder aus, auf den Kuppen der Hügel thronen uralte Städtchen, von dicken Mauern umgeben. Aus der Ferne sehen sie wie unbezwingbare Festungen aus, die den Anschein erwecken, als sei die Zeit hier seit dem Mittelalter spurlos vorübergegangen.
Wenn man weiter in den Süden kommt, ist der Kalkboden von roter Erde überzogen; ein Hochland, das sanft zur Küste abfällt. Es wird als das rote Istrien bezeichnet. An der stark gegliederten, buchtenreichen Küste gedeihen im milden Meeresklima Pinien und Zypressen, Edelkastanien, Ölbäume und vor allem Weinreben. Halbinseln strecken ihre Nasen in das Wasser der Adria. Wo sie Siedlungen tragen, ob Koper, Piran, Umag, Novigrad, Porec (oder Rovinj, drängen sich die Häuserzeilen eng aneinander, getrennt durch schmale, winklige Gassen. Raum ist nur für wenige Plätze geblieben: wo Brunnen die Stadt mit Wasser versorgt haben oder wo Händler Lebensmittel, Kleidung und Hausrat feilbieten konnten. Der größte Platz, der Stadtplatz, bildet mit der Pfarrkirche und dem Regierungspalast noch immer den zentralen Punkt in fast jedem Ort. Das rote Istrien ist die am dichtesten besiedelte und die wirtschaftlich am weitesten entwickelte Region, vor allem dank des Tourismus.
Durch die Gebirgszüge, die sich im Norden und Osten wie ein Bogen um die Halbinsel legen, und das sich anschließende Dreieck mit Pula an der Südspitze hat Istrien die Form eines Herzens, in der Luftlinie nur gut 80 Kilometer lang und an seiner breitesten Stelle keine 70 Kilometer breit. Ein kleines Herz zwischen der nahen Alpenregion und den beiden großen Natur- und Kulturräumen, die nach ihren Gebirgen benannt sind: Apennin und Balkan.
Im ersten Jahrtausend v. Chr. siedelten die keltischen und illyrischen Stämme der Histrer, Karnier und Japoden in Istrien. Ab dem 3. Jh. v. Chr. schickte Rom seine Legionen aus und kassierte das Gebiet in sein riesiges Imperium ein. Pula wurde Hauptstadt der neuen römischen Provinz Illyrien. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches im 5. Jh. gehörte Istrien kurzfristig zur Herrschaft der Ostgoten, bis es Mitte des 6. Jh. an das oströmische Byzanz fiel. Etwa ab dieser Zeit suchten Kroaten und Slowenen hier eine neue Heimat. 788 fiel Istrien an die Franken, 952 an Bayern, 976 wurde es Kärnten angegliedert und ab 1040 eigene Markschaft im Einflussbereich der Habsburger. Die Küste aber hatten sich die Venezianer bis zum 14. Jh. völlig erobert. Die Region Kvarner hingegen gehörte seit dem 12. Jh. zum Königreich Ungarn. Allein an diesem Ausschnitt der Geschichte wird deutlich, dass Istrien nicht zu Unrecht als Schnittstelle zwischen Mittel-, Südost- und Südeuropa bezeichnet wird.
Istrien ist ein völkischer Schmelztiegel mit einem bunten Sammelsurium kulturhistorischer Hinterlassenschaften: Das römische Amphitheater in Pula, die byzantinische Euphrasius-Basilika in Porec (der von den Österreichern gebaute Leuchtturm in Savudrija oder der venezianische Prätorenpalast in Koper sind nur ein paar Beispiele im weiten Spektrum.
Und auch in der Mentalität der Istrier zeigt dieser stete Wechsel der Herrschaft Wirkung: Wer unter so vielen Fahnen gelebt und gelitten hat, der hält schon instinktiv zu jeglicher Obrigkeit kritische Distanz. Die Regierungen in Ljubljana und Zagreb haben das schon mehr als einmal deutlich zu spüren bekommen.
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