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MEER, SEEN / NR. 0322 |
Als Double des "Schlitzohres" ist Hilbrecht schon rein äußerlich prädestiniert: ein kleiner Mann mit gemütlichem Bauch, weiße Haare und Schnauzer, schwarze Augenbrauen über schelmischen Augen. So ausgemergelt wie auf den bekannten Fotos sei Voigt nur nach der Verhaftung gewesen, versichert Hilbrecht: "In späteren Jahren war er runder."
Zu Voigt kam Hilbrecht trotzdem erst über die Jahre. Vor der Wende spielte er an Theatern in Leipzig, Halle, Greifswald. Nach 1990 kam Hilbrecht, geboren in Johannisthal, nach Köpenick und wollte ein Stadttheater gründen. Die Idee scheiterte. Dafür hatte er Erfolg mit einem Programm über den Humoristen Otto Reutter, erst später kam ein Abend über Wilhelm Voigt hinzu.
Dieser wurde bis 2000 bei offiziellen Anlässen von Manfred Korth dargestellt. Als Korth nach mehr als 30 Jahren als Hauptmann in Ruhestand ging, veranstaltete der Bezirk ein Casting. Hilbrecht erschien bewusst nicht im Kostüm, "da hatte ich ihn doch auf der Bühne schon hunderte Male gespielt". Die Jury entschied sich für einen anderen Hauptmann. Der zog 2003 aber entnervt an die Nordsee, weil er sich vom Bezirk nicht genügend unterstützt fühlte. Seitdem ist Hilbrecht fast immer Voigt.
Das Volkstümliche des Stoffes hat Hilbrecht nie gestört, im Gegenteil. "Der Zuschauer hat ein Recht, sich zu amüsieren", sagt Hilbrecht. "Verrücktes" Theater, wie Hilbrecht sagt, ist seine Sache nicht. "Musik, Gesang, Kabarett mit Berliner Schmiss und Charme" - so steht es auf der Tür von Hilbrechts Toyota. Das Versprechen eines Volksschauspielers.
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